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E9 - Bild Titelblatt LP 4 1981 Nr. 2
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1979/80 führte die ostdeutsche Medizinerin, Psychologin und Publizistin Gerda Jun (1935-2018) Interviews mit Eltern behinderter Kinder. Diese wurden erstmals 1981 anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Internationalen Jahres der Behinderten“ – bzw. „Internationalen Jahres der Geschädigten“ in der DDR – in Verbindung mit einem allgemeinen Informationsteil zu verschiedenen Behinderungen als „Elternreport“ veröffentlicht unter dem Titel „Kinder, die anders sind“. In den Interviews berichten Mütter und Väter behinderter Kinder von ihren zum Teil sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenslagen.
Die zwei hier auszugsweise vorgestellten Interviews verdeutlichen exemplarisch, welche große Bandbreite die individuellen Wahrnehmungen und Lebensrealitäten von Familien mit behinderten Kindern in der DDR aufwiesen. Bei der Betrachtung der mitunter gegensätzlich anmutenden Ausführungen in den Interviews ist natürlich zu bedenken, dass es sich um zwei separate Einzelfälle handelt, bei denen weder die Behinderung des Kindes, noch die familiären Lebensumstände identisch sind.
Über Mirjam, die Langdon-Down hatte, berichtet ihr Vater. Er hebt im Interview vielfach die vergleichsweise große ‚Normalität‘ seiner Tochter hervor und schildert elterliche Ansätze des Hinterfragens der Behinderung des Mädchens. Über Matthias berichtet die Mutter. Der Junge hatte eine frühkindliche Hirnschädigung, die ein chronisches hirnorganisches Psychosyndrom, motorische und Sprachentwicklungsrückstände sowie Epilepsie zur Folge hatte, darüber hinaus eine allergische Disposition und eine Hauterkrankung. Den vergleichsweise geringen Grad der Hirnschädigung und die resultierende Zuteilung in die Regel- statt Sonderschule beschreibt seine Mutter vor allem als Belastung für ihren Sohn, für das allgemeine Familienleben und für sich selbst als Mutter mit Erwerbs-, Haushalts- und Betreuungspflichten.
Kommentar von Pia Schmüser zu Gerda Jun: Kinder, die anders sind. Ein Elternreport. Frankfurt a.M./Berlin 1994. [Auszüge] .
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